Schellente

Bucephala clangula

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Staus-Einstufung der Schellente entsprechend der Roten Liste der Brutvögel weltweit, Deutschland, Österreich und Schweiz.
Rote Liste

Schwimmende männliche Schellente im Prachtkleid.
Männliche Schellente im Prachtkleid.
Karte zur Verbreitung der Schellente.
Verbreitung

Die Schellente (Bucephala clangula) ist ein Höhlenbrüter, der in der Alten Welt bevorzugt die verlassenen Bruthöhlen des Schwarzspechts (Dryocopus martius) nutzt, während er in Nordamerika oft in ehemaligen Nestern des Helmspechts (Dryocopus pileatus) brütet.

Die Wahl des Nistplatzes erfolgt meist in Gewässernähe, in Höhen zwischen 1,3 und 13 Metern. Neben Spechthöhlen nutzt die Schellente gelegentlich auch Felsspalten, Gebäudenischen, sogar Kamine und in Ausnahmefällen Kaninchenbauten. Besonders gerne nimmt sie künstliche Nistkästen an.

Die Küken sind Nestflüchter: Kaum geschlüpft, werden sie durch intensive Rufe des Weibchens zum Sprung aus der Höhle animiert.

Steckbrief

Größe: 40–50 cm

Gewicht: 500–1100 g

Verbreitung: Holarktis, gesamte boreale Zone

Nahrung:  Insekten, Larven, Krebse, Muscheln, gelegentlich Pflanzen

Lebensraum:   Seen und langsam fließenden Gewässern, bevorzugt in bewaldeten Bereichen 

Zugverhalten: Zugvogel

Höchstalter: 17 Jahre

Brutzeit: Februar - Mai 

Fortpflanzung: monogame Saisonehe, 8–11 Eier, 1 Brut pro Jahr, Brutdauer 29–30 Tage, selbstständig nach 50 Tagen, flügge nach 57–66 Tagen,

Bestand: 3,8 - 5,0 Tausend Brutpaare in Deutschland, 490–620 Tausend in Europa, 2,7-4,7 Millionen Vögel weltweit 

Status: nicht gefährdet (Trend: zunehmend)

In Deutschland Jahresvogel, Zugvogel und Wintergast, brütet vorwiegend in Ostdeutschland   


Stimmen

Wenig ruffreudigeMännchen geben während der Balz einen vibrierenden Laut („knirrr(ä)“ oder „qui-rrik“) von sich, der mit einer auffälligen Kopfbewegung verbunden ist. Weibchen äußern ein tiefes „grarr grarr“, weiche „gra gra“ oder ein nasales „kriän“, während sie bei der Inspektion von Nisthöhlen ein charakteristisches „gärk-gärk-gärk“ oder „kuk-kuk-kuk“ rufen. Küken haben trillernde Kontaktlaute („bibibi“), geben bei Verlassenheitsgefühlen ein härteres „pipipi“ von sich und äußern einen lauten, hohen „trii“-Laut.

Rufe (Balz)

Flugrufe


Verbreitung in Deutschland

Karte zur Verbreitung der Schellente während der Brutzeit.
Brutzeit

Die Schellente brütet in Deutschland an nährstoffarmen, oligotrophen, natürlichen und künstlichen Gewässern wie Fischteichen, Stauseen und Abbaugruben. Sie nutzt bevorzugt Schwarzspechthöhlen oder Nistkästen als Brutplatz.

Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt im nordostdeutschen Tiefland, insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Weitere bedeutende Bestände gibt es in Niedersachsen, vor allem in der Lüneburger Heide, sowie in der Oberpfalz mit zusammenhängenden Brutgebieten in Waldweihern. Kleinere Vorkommen existieren in Franken, Thüringen und im Alpenvorland, wo sie hauptsächlich an Flüssen wie Lech, Isar und Inn sowie an Stauseen wie dem Chiemsee brütet. Im äußersten Nordwesten Deutschlands gibt es kleinere Populationen im Bereich der Unter- und Mittleren Havel sowie des Steinhuder Meers.

In Deutschland ist die Schellente ein Brutvogel, Zugvogel und Wintergast. Während sich das Brutgeschehen vorwiegend auf den Nordosten der Republik beschränkt, sind Wintergäste in allen Bundesländern zu beobachten. Der Zuzug findet vorwiegend im November statt, bis in den März verweilen die Vögel in den Winterquartieren. 

Winter
Winter

Bestandsentwicklung

Deutschland liegt am südöstlichen Rand des Verbreitungsgebiets. Die Schellente hat ihr Areal im 20. Jahrhundert nach Deutschland ausgehend von osteuropäischen Beständen stetig erweitert, erlitt jedoch in den 1940er Jahren starke Bestandsrückgänge. Seit den 1950er Jahren breitete sie sich erneut nach Südwesten aus, wobei sich ihr Bestand zwischen 1960 und 1990 vervierfachte und zwischen 2005 und 2009 noch einmal verdoppelte. Besonders starke Zunahmen gab es in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wo vermehrt Nistkästen zur Brut genutzt wurden. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern nahmen die Bestände seit den 1990er Jahren zu. Zurzeit geht man von 3.800–5.000 Brutpaaren in Deutschland mit steigender Tendenz aus.    

Merkmale

Kompakte Tauchente mit kurzem Hals und charakteristisch rundlichem Körper. Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in Größe und Gefiederfärbung: Männchen haben zu Brutzeit einen schwarzen Kopf mit einem großen weißen Wangenfleck, weiße Unterseite und schwarze Flügel. Weibchen sind gekennzeichnet durch einen schokoladenbraunen Kopf und einen grauen Körper aufweisen. Beide Geschlechter haben leuchtend bernsteinfarbene Augen. Jungvögel ähneln den Weibchen.

Quellen und Links

Zitiervorschlag: